Eine Panikattacke, damals in der Pariser Metro. Ein bleiches Mädchen auf dem Notsitz, kurz davor das Bewusstsein zu verlieren. Aussteigen an der nächsten Station, atmen, atmen, wenigstens schmeckt die Luft nicht mehr nach Menschen.
Menschen in all ihren Farben und Formen und Auswüchsen. Bunt und beängstigend. Ein Wurm, der scheinbar führerlos durch einen Tunnel rast, gefüllt mit schweigenden Individuen. Eine schwere, warme Masse. Grund zu schreien, oder nicht?

Köln-Elberfeld, ein anderer Tag.
Rush Hour. Dicht an dicht. Der Mann mit Einrad, Augen zu und festhalten, noch wenige Stationen.
Warum schließen Menschen in Zügen immer die Augen?
Die Geschwindigkeit tut weh, alles rast vorbei, keine Zeit es zu erfassen. Wer zu lange aus der Tür hinaus auf den Boden guckt, muss doch verrückt werden. Es ist unmöglich, die Streben zwischen den Schienen zu zählen.
Das eigene Spiegelbild nicht nur in der Fensterscheibe, in jedem Gesicht steckt die Wahrheit, nach der man lange sucht. Die eigene Gleichgültigkeit prallt zurück aus den Augen des Nebenmanns.
Rascheln, quietschendes Bremsen, die Türen öffnen sich wie riesige Münder. Die Menschen strömen hinaus, keine Blicke zurück. Es besser machen, irgendwann.
Wehmut, aus welchen Gründen auch immer. All die, die jetzt gehen, wird man nie wieder sehen.
Alles verpasst, und der Zug rollt weiter. Augen schließen, weil das Mädchen dort drüben schon wieder guckt, ohne sich zu interessieren und die Bäume brechen, ohne dass jemand es merkt.
Sich blickdicht machen. Die Schotten schließen. Den Spiegel der halbfertigen Welt nicht länger ertragen müssen.
Heimkehr an einen hellen Ort und die wiedersehen, die eben stumm gegangen sind.
Zuhause ist nicht da, wo du aussteigst.