Montag, 5. März 2012
Eine beliebige Seite im Wörterbuch deiner eigenen Sprache, dann ein blinder Fingerzeig auf eins der Buchstabengebilde.
DEKONTAMINATION- (l.), die; -, en: Beseitigung oder Verringerung von atomaren, chem. oder biol. Verunreinigungen.
Biologische Massenvernichtungswaffen. Eine Quarantänestation, ein blonder Junge der Blut kotzt und ein Geruch von Desinfektionsmittel.
BIO..: (gr.) in Zusn.: das Leben betreffend
Das Leben betrifft den Menschen. Der Mensch trifft das Leben, härter als er denkt. Ich bin, du bist, er/sie/es ist BIO. Wir sind Biologie.
Ein Spermium, das auf eine Eizelle trifft. Ein niesender Mann im Bus, kranke Traumbilder und Lichtblitze. Ein von Larven zerfressener Körper im Moor.
LEBEN, das; -s, -: der Zustand des Lebendigseins.
Definiere.
SEIN, das; -s: Dasein (im Ggs. zum Nichtsein, Nichtmehrsein, Nochnichtsein) : alles gegenwärtig Seiende.
Das biologische Sein. Das geistige Sein. Kann, muss aber nicht.
Jedes der Wörter ein Vorwurf an die, die sind, aber nicht wissen wieso. Biologische Verunreinigungen, am Ende wieder wir? Die ohne Gedanken sind. Am Ende nur ein paar.
Kontamination – so sei es.
Nur – wer dekontaminiert uns oder die, die sind ohne Suche nach dem Sinn im Sein?
Die Wörter lachen über unsere Dummheit.




Dienstag, 28. Februar 2012
Wenn der Himmel so grau ist, dass er zu verschwinden scheint, dass er die übrige Welt aufzusaugen scheint, einfach so, dann ist das jedes Mal einer kleiner Untergang. Dieser Regen, der geräuschlos auf die Dächer fällt und Jacken unbemerkt durchdringt, dann einen feuchten Film auf der Haut bildet, der auch nach warmem Duschen nicht verschwindet. Dieser Regen, die FSK-12-Version von Hoffnungslosigkeit. Wenn alles schwarz-weiß scheint, ein bisschen wie eine alte Fotografie von Paris, nur dass in Paris die Sonne scheint, wenn sich in den Rinnsalen zwischen den Pflastersteinen nichts spiegelt außer der eigene Verdruss. Im Regen werden alle Katzen nass. Darum bleiben sie lieber zuhause vor dem Kamin und verbrennen sich den Schwanz. Wenn es gerade kalt genug ist, gerade so kalt, dass eine Beschwerde über die Kälte gerechtfertigt ist, wenn es gerade reicht für aufgesprungene Lippen, aber noch nicht für heißen Kakao. Wenn alles vorbeizieht ohne Kontur anzunehmen, das Gefühl etwas Großes zu verpassen, wenn alles sich auflöst, verschwindet im Einheitsgewölk des Himmels, selbst dann sind die Menschen nicht ehrlicher zueinander als sonst.




Dienstag, 21. Februar 2012
5° Celsius und barfuß durch ein matschiges Feld. Drüben leuchten noch die Lichter, die wir fürchten. Keiner hört die Lieder, die wir singen, keiner sieht den Dreck unter unseren geschnittenen Nägeln. Auf der Straße parken Autos, was unwirklich scheint, in dieser Nacht. Ein Affe und ein Tiger kriechen brüllend aus dem Geäst. Wir sind nicht alleine und werden es niemals sein. Wie in der Grundschule links, rechts, herannahende LKWs. Größtenteils nass, größtenteils dreckig, größtenteils glücklich. Ein Platz zum Sitzen und Lachen. Ein Freund, wer oder was auch immer, ruft an. Vergesst euch nicht.
Wir sind in Sicherheit, aber die schützenden Schuhe haben wir verloren.
Ist auch egal, die Welt ist ein Fußball, und was Messi kann, können wir schon lange.
Töne in zu hohen Frequenzen, Schallwellen ohne Ziel.
Um uns herum rennen sie noch. Auf der Zunge ein letzter Geschmack von Toffee. Den Rock auf den Hüften, der Himmel weint um seine verlorenen Söhne. Biblische Gestalten vor unseren Augen und auf unseren Lippen. Kreischen.
Vergesst euch nicht.
Niemals, alles nur das nicht. Wir sind im Heimathafen, jetzt schließ die Augen und bleib ruhig, auch wenn wir das nicht können. Dunkelheit ist die Mutter des Lichts und nach der Nacht folgt der Morgen und am Ende der Schmerz.
Was ist bloß los mit euch? Vergesst euch nicht.
Alte Lieder ohne Sinn. So blau wie unser Telefonanbieter.